Gehirn-Hemisphären-Theorie
Das menschliche Gehirn besteht aus zwei Hälften. Die Gehirn-Hemisphären-Theorie aus den 1970-er Jahren ordnet bestimmte Funktionen jeweils den Gehirnhälften zu:
- Die linke Gehirnhälfte steuert Logik, Zahlen, Linearität, Analyse und Sprache;
- Die rechte Hälfte übernimmt Phantasie, Raumwahrnehmung, Farb-, Rhythmus-, Gestalt- und Mustererkennung.
Selbstverständlich kann diese Abgrenzung nur eine starke Vereinfachung sein, da die Komplexität des Organs »Gehirn« bis heute nicht erlaubt, seine Funktionsweise vollständig zu verstehen; gleichwohl ist die Gehirn-Hemisphären-Theorie als vergröbertes Modell weithin akzeptiert.
Ebenfalls in den 1970-er Jahren wurde in England das Verfahren »Mapping« entwickelt, bei dem die zu verarbeitende Information in Form eines einprägsamen Bildes dargestellt wird. Ziel war, gleichzeitig beide Gehirnhälften anzusprechen und auf diese Weise Synergieeffekte auszunutzen.
Klassisches Mapping
Mapping wird üblicherweise mit Papier und Farbstiften betrieben (klassische »Papier-und-Stift-Methode«). Dabei wird der Bogen grundsätzlich im Querformat genutzt.
Das Hauptthema wird durch ein Schlüsselwort (zentrales Bild) in die Mitte des Blattes gesetzt, vorzugsweise in Verbindung mit einem einprägsamen Bild oder einer Skizze. Vom zentralen Bild ausgehend wird zu jedem weiterführenden Gedanken (Unterpunkt) eine Linie gezeichnet. Auf diese Linien werden die einzelnen Schlüsselworte zu den Unterpunkten geschrieben. Von den gezeichneten Linie kann wieder ein Knotenpunkt für weitere Linien ausgehen; hierdurch werden die Hauptgedanken weiter untergliedert und ergänzt.
Dieser Vorgang kann beliebig weiter fortgesetzt werden.
Der Einsatz von Farben kann hierbei die Übersichtlichkeit erhöhen; zusammengehörige Gedanken können damit gekennzeichnet werden. Symbole — wie Pfeile, geometrische Figuren, Bilder und Sinnbilder — erleichtern die Erfassung des Inhalts und helfen bei der Abgrenzung oder Hervorhebung einzelner Bereiche.
Einsatzbereiche
Für die Technik Mapping gibt es zahlreiche Einsatzbereiche:
- Aufsätze und Vorträge können mittels Mapping vorbereitet werden, das Map ersetzt beim Vortrag den klassischen Stichwortzettel.
- Zur Niederlegung kreativer Gedanken, zum Beispiel im Rahmen eines Brainstorming, kann ein Map schnell erstellt werden.
- Bei Besprechungen kann die Thematik mittels eines Map bearbeitet und festgehalten werden; die Teilnehmer haben zu jeder Zeit einen Überblick über den gesamten Sitzungsverlauf. Aufgrund der Verwendung von Schlüsselwörtern sind die Teilnehmer gezwungen, ihre Aussagen jeweils auf den Punkt zu bringen. Die relevanten Punkte werden auf dem Map festgehalten, das am Ende des Meetings als Protokoll zur Verfügung steht.
- Persönliche Notizen aus Vorträgen, Vorlesungen, Artikeln, Büchern und Telefonaten können Inhalt einer Map werden; das Verfahren ist generell dann nützlich, wenn eine schnelle schriftliche Aufzeichnung erforderlich ist.
- Das Mapping bietet sich auch als Methode zum Lernen an: der Lehrstoff erhält in der Map eine Untergliederung. Dies ermöglicht jederzeit einen Überblick über den gelernten Stoff oder vorhandene Lücken. Systematische Zusammenhänge werden besser verstanden und gelernt.
Vorteile
Nachteil der Technik Mapping ist, dass sie zunächst erlernt werden muss, was einen gewissen Lern- und Üb-Aufwand erfordert. Dieser wird von den Vorteilen jedoch mehr als aufgewogen:
- Ein Map gibt schnelle Auskunft über die Thematik: das Hauptthema bzw. die Grundidee wird rasch erfasst, die graphische Unterstützung fördert das Denken und die Informationsspeicherung.
- Die Verästelung hilft, die relative Bedeutung eines Gedankens bzw. einer Idee darzustellen; gleichzeitig entsteht eine Strukturierung und Hierarchisierung, mit der auch Lücken aufgedeckt werden.
- Weiter hilft das Map zu erkennen, welche Grundgedanken bereits gut, welche weniger gut entwickelt sind.
- Die Verwendung von Schlüsselwörtern leitet zur Konzentration auf das Wesentliche, somit wird Zeit eingespart.
- Zusammenhängende Ideen können hervorgehoben und verknüpft werden.
Mapping am Rechner
Denken verläuft nicht linear; es handelt sich um einen äußerst komplexen, wissenschaftlich nicht endgültig geklärten Vorgang. Ständig neue Schlüsselreize rufen Assoziationen und Strukturen hervor, dabei wechselt das Gehirn zwischen den Gedankengängen. Teile werden hinzugefügt, andere werden im fortlaufenden Prozess weggelassen. Hierbei entstehen Verknüpfungen zu im Gehirn gespeichertem Wissen.
Maps wurden entwickelt, um den Abläufen beim Denken Rechnung zu tragen; durch die radiale Anlage lassen sie sich in alle Richtungen erweitern, wodurch Platzprobleme auf dem Bogen minimiert werden.
Dennoch geraten Maps bisweilen unübersichtlich, und zwar insbesondere dann, wenn sie Ergebnis eines Brainstorming sind oder von einer Arbeitsgruppe erstellt werden. Durch rechnerunterstütztes Mapping wird diese Problematik gelöst:
- Die Maps sind schnell, ohne großen Aufwand und vor allem ohne Neuerfassung zu überarbeiten.
- Sie sind deutlich lesbar bzw. erkennbar.
- Zudem können sie noch schneller erstellt werden.
Neben diesen graduellen Verbesserungen ermöglicht der Rechnereinsatz Arbeitsweisen, die prinzipbedingt bei der klassischen »Papier-und-Stift-Methode« nicht anwendbar sind:
- Hintergrundinformation in Textform lässt sich zu jedem Objekt des Map ablegen. Bei Betrachtung des gesamten Map werden die Anmerkungen ausgeblendet, so dass diese die Übersicht nicht stören.
- Verweise auf Quellen im Internet oder Intranet sind möglich: ein Mausklick genügt, um die Quellen später wieder zu öffnen und so die Recherche fortzusetzen.
- Eine Verschlüsselung des Map ist möglich; so lässt sich vertrauliche Information privat halten.
- Das Map lässt sich auf Knopfdruck vollautomatisch in eine klassische Gliederung umwandeln, die beispielsweise als Inhaltsverzeichnis zu einer textuellen Langfassung dienen kann.
Insgesamt ist so eine deutliche Effizienzsteigerung gegenüber einer Arbeitsweise ohne »Mapping« zu erreichen — für den Anwender bedeutet das mehr Zeit in Beruf, Studium, Schule oder Freizeit. Gleichzeitig kann die spielerische Herangehensweise an zu lösende Fragestellungen die Arbeit zu einem freudigeren Geschehnis machen.